Heute begann der Tag mit einem dürftigen Frühstück in der Gemeinschaftsküche. Immerhin Kaffee und mit Vanillecreme gefüllte Kekse - die letzten Reserven. Ich kam danach schnell bis Kuhmo ( um Kuumo und Kuumu war ich gestern im großen Bogen herumgeradelt 😛). Hauptsache war, mich wieder mit Getränken und festen Lebensmitteln einzudecken. Immerhin rechnete ich damit, in der Pampa wild zu übernachten: ohne Mittag- und Abendessen und ohne Frühstück. Also wurden im ersten Supermarkt die Taschen aufgefüllt. Himbeer-Trinkjoghurt und Eis mussten gleich gegessen werden. Die Blätterteigteilchen durften bis zur Kirche weiterleben. Das Museum der Kalevala-Kultur sah von außen nicht schlecht aus - so toll war die Architektur dann aber auch wieder nicht. Mir war es dann auch zu klein und ich wollte lieber weiter.
Reichlich eine Stunde nach Kuhmo kam ich an dem Panzer vorbei (nein: die Russen kommen nicht mehr - das war im verlorenen Winterkrieg). Wenig später kam ein Parkplatz mit Unterstellmöglichkeit. Den hatte ich beim einsetzenden Niesel ignoriert und radelte weiter. Nach 10 oder 15 Minuten suchte ich mir einen Baum, um das T-Shirt aus- und die Regenjacke anzuziehen. Aus dem Niesel wurde schnell stärkerer Regen, dann Platzregen und Gewitter ganz in der Nähe. Unterm Baum war also nicht mehr schlau. Daneben verweste etwas - da konnte ich nicht stehen, ohne den Gestank zu verstärken. Also mitten im Regen... und Donnern. Das Neopren war ruckzuck durch. Nach einer halben Stunde hatte es soweit nachgelassen, dass ich im Niesel bzw. schwachen Regen weiterradelte. Der Regen ließ schließlich ganz nach, es blieb um die zwanzig Grad warm. Aus meinen Ärmeln lief das Wasser und später tropfte der Bund an den Ärmeln noch lange. Dennoch hielt das Neopren warm und fühlte sich gut an. Jedenfalls ließ ich so viele Pausen weg und war in einer guten Stimmung. Es rollte, die angedrohte hügelige und kurvenreiche Strecke erwies sich als nicht so schlimm und oft positiv für mich. Große Strecken konnte ich über den Lenker gebeugt schön bergab rollen. Der Gegenwind war weg...
Unterwegs gab es weder Läden noch Kneipen - da hatte der Guide wieder zuviel versprochen. Aber es gab ein erstes und später ein zweites Getreidefeld, noch eines mit Raps im Abendlicht. Ich hatte heute den Eindruck, dass die Donne schon erheblich höher steht. Jetzt - nachts ist es auch richtig dunkel, schwarz.
Gegen 20.15 Uhr kam ich in Lieksa über Radwege zum Lidl. Für das Abendessen Kartoffelsalat und Wiener, dazu Süßkram, Joghurt fürs Frühstück, frisches Schwarzbrot, Bier für den Abend, Süßkram ebenso. Lakritztoffes zum Sofort-Kosten - und schwupps waren wieder 25Euro weg.
Unterwegs hatte ich mir über booking.com meine Hütte gesichert: ich wollte nicht 21Uhr anfangen zu suchen. Für das Geld (49€) hätte es auch zwei Hostels in Lieska gegeben. Der Campingplatz, auf drm ich kurz vor neun ankam ist nicht sooo schön - aber okay. Erstmal essen, dann kurz durchs Gelände Bummeln, Duschen und Wäsche waschen - dann in die Grillhütte ans Feuer.
Gegenüber am Ufer in der Ferne ist ein hell beleuchtetes Industriegebiet (eine Papierfabrik?). Eigentlich fand ich Lieksa sofort sympathisch - das Städtchen hatte mir irgendwie besser gefallen, als die zuvor. Aber Industrie ist dannfoch nicht so schön. Es gibt ein Freilicht-Museum, das morgen 10 Uhr öffnet. Das will ich mir ansehen und dann meine etwa 100km radeln. Im Moment habe ich 100km, also einen Tag Vorsprung. Wer weiß, ob ich das noch brauche. Heute war ich in Kuhmo an einer Tankstelle Luft pumpen und Kaffee trinken (das Blätterteigteilchenzeugs klebte ohne Kaffee doch zu sehr). Dabei war mir ein tiefer Riss seitlich am Vorderreifen aufgefallen. Noch einen Ersatz habe ich nicht mit. Der muss halten - oder ich kaufe mir in der industrialisierteren Gegend im Süden noch einen neuen...
Jetzt sitze ich allein in der Grillhütte - und bald ist Mitternacht.
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| Herrlicher Wiesenfluss... |
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| Das erste Getreidefeld. |
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| Die Holzkirche in Kuhmo - leider geschlossen. |
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| Russenpanzer aus dem Winterkrieg 1939 |
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| ... den hab ich vom Asphalt gerettet |
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| Krokodil? |
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| Rapsfeld ein paar Kilometer vor Lieksa |
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| Kornfeld bei Lieksa |
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| Campingplatz mit meiner Hütte. |
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| Blick zur extrem lärmenden Fabrik. |
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| In der anderen Richtung ist es friedlich. |
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| Grillhütte auf der abgewandten Seite. |
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