Mittwoch, 10. August 2022

9.8.22 Hietajoen Leirinta - das wird wohl kaum zu toppen sein...


























Wo fange ich an? Am Morgen oder wo ich jetzt gelandet bin?
Es wird schwer, diesen langen Tag zu beschreiben:

Im Hotelzimmer konnte ich mir mit einem Wasserkocher Kaffee zubereiten und für ein Frühstück hatte ich Brot, Marmelade, Leberwurst, Tomaten und den braunen norwegischen Käse. Gut gesättigt konnte ich gegen 7:15 Uhr losradeln. Den Weg bis zum Flughafen kannte ich ja schon.
Dort sah ich heute die ersten Rentiere: fünf oder sechs standen da dicht zusammen. Später folgte die E6 noch lange dem Fjord und es ging stetig auf und ab. Nicht ganz so anstrengend wie in den letzten beiden Tagen - aber immer noch fordernd. Dafür begann der Tag mit strahlend blauem Himmel. Bissel wehmütig stimmte es mich schon, die Barentsee und Fjorde hinter mir zu lassen. Aber es wurde eigentlich noch viel schöner. Mein Weg führte mich nach Neiden, wo es dann entweder weiter durch Norwegen geht - oder nach Finnland. Mein erstes Ziel war die etwa 500 Jahre alte orthodoxe Sankt Georgs Kapelle, kaum größer als eine Gartenlaube. Dafür sah das Blockhaus herrlich aus und hatte eine schöne Lage.
Danach - nicht weit entfernt - besuchte ich das zweite Samu-Museum. Das fand ich diesmal besser als das erste. Der Chef fragte mich, ob ich Student bin - und dass es für Pensionäre auch Rabatt gibt. Aber ich wollte schon voll bezahlen und das Museum unterstützen. Es sah deutlich besser aus als das in Kirkenes und es gab auch mehr Exponate. Nach meinem Besuch wurden mir Kaffee und Keks angeboten - gratis. Und wir führten ein sehr nettes Gespräch. Er - seine Mutter war Sami - und ein zweiter Mann am Tisch, der auch mit bepacktem Rad unterwegs war. Er war Finne und kam aus der Gegenrichtung. Wir sprachen etwas über Sami, deren Sprache, über Russland und das Verhältnis zu Norwegen und Finnland,  über das Radfahren, über Sprachen hier im Allgemeinen. 
Das war sehr herzlich und schön - natürlich wollte und konnte ich nicht ewig bleiben. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, heute meine fehlenden Kilometer von gestern rauszuholen und ca. 150km zurückzulegen - wenn meine Kondition das zulässt.
Auf dem Weg lag noch ein beeindruckender Wasserfall - nicht hoch - aber kraftvoll: der Skoltefossen.
Die Grenze hatte ich dann nach etwa 10km erreicht. Kurz vorher gab es eine Zollstation. Weder da noch dort waren Menschen zu sehen - eine Schengengrenze eben. Ein Fotohalt und weiter ging es. In Finnland wurden die Hügel langgestreckter und waren so viel leichter zu bewältigen. Es gab kaum noch schlimme Anstiege. Die Landschaft änderte sich bald. Immer wieder Flüsse, Seen, die unter der Straße mit Wasserläufen miteinander verbunden waren. Mehr Kiefern, immer noch Birken und Beeren. Später gab es auch von Schnecken angefressene Pilze - die meisten sahen immer noch riesig und prächtig aus.
In Sevettijärvi gab es ein Freilichtmuseum mit nachempfundenen Hütten der Samen. Da im Wald gab es auch Mücken. Der Finne hatte mir den Pub im Ort nahegelegt. 
Ich hatte zwar schon am frühen Nachmittag einen Salat, Trinkjoghurt und noch was für unterwegs und früh gekauft und dann wenig später am Ufer eines glasklaren Sees gegessen. Ein Kahn diente mir als Sitzgelegenheit.
Jedenfalls ging es in den Pub, wo ich mir seit Tagen mein erstes Bier und einen Rentierburger kaufte. Da war auch bissel Zeit, meine Fotos zu bearbeiten. Kurz nach 18.30 Uhr lagen dann noch 55km vor mir. Mein Campingplatz, auf dem ich jetzt bin war das Ziel. Sevettijärvi wäre das Mindespensum des Tages gewesen - aber ich war gut drauf und die Kondition passte. Jetzt kam ich auch zügiger voran.
Unterwegs gab es noch schöne Seen im Abendlicht zu sehen, noch vier weitere Rentiere. Und da nicht oft Autos vorbeikamen, wurde mir die extreme Ruhe bewusst: kein Wind, kein Vogel, keine Straße in weiterer Nähe. Einfach nur Stille und teilweise Seen, deren Oberfläche fast ohne jede Welle war - beinahe wie ein Spiegel. Zwischendurch noch Moore. Es gab Orte, die aber nahezu unsichtbar aus einzeln verstreuten Häuschen bestanden. Das ist bis hierher nicht anders.
Und der Zeltplatz: das Schild war zugeklebt - das war ein schlechtes Zeichen. Weit und breit keine Alternative und Null Bock auf ungeduscht, verschwitzt in Zelt und Schlafsack zu krabbeln. Ich hatte Glück: die Vermieter kamen gerade auf dem hier beginnenden Inarisee von einem Angelausflug zurück. Und ja: es ist doch geöffnet. 15€ für die Nacht - Zelt oder die geniale achteckige Hütte mit Kamin und traumhaftem Blick. Ich bekam Streichhölzer zum Feuermachen - Dusche, WC und Küche gibt es auch.
Jetzt 0:30 Uhr ist es immer noch dämmerig hell. Mein Feuer geht langsam aus (der Chef hatte mir noch geholfen, das richtig anzubrennnen, weil es bei mir so gemieft hatte).
Jedenfalls freue ich mich auf die Nacht, auch darüber, nicht das Zelt aufbauen zu müssen. Und morgen gibt es Kaffee in der Küche - und Frühstück habe ich auch genug mitgebracht.
Nur: viel zu viele schöne Fotos. Wie soll ich nur die schönsten auswählen?



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